Ethikkodex und Praxisstandards
Verband für Psychosoziale Beratung (TDP)
Hinweis zu Sprache und Geltungsbereich: Der TDP verwendet die Begriffe: psychosoziale Beratung, Unterstützung, Psychoedukation, Krisenintervention, Entwicklungs-/Bildungsarbeit. Der Kodex begründet und beschreibt keine Psychotherapie und keine Ausübung reglementierter Berufe. Mitglieder sind verpflichtet, die Gesetze und Regeln des Landes/der Gerichtsbarkeit einzuhalten, in dem/der sie tätig sind.
1. Zweck und Status des Kodex
1.1. Der Kodex definiert ethische und qualitative Standards für TDP-Mitglieder in den Bereichen psychosoziale Beratung, Psychoedukation, Entwicklungsunterstützung, und Krisenintervention.
1.2. Der Kodex zielt darauf ab, das Wohlergehen des Klienten zu schützen, verantwortungsvolle Praxis zu fördern und das öffentliche Vertrauen zu stärken.
1.3. Der Kodex ist ein internes Dokument des TDP und bildet die Grundlage für die ethische Bewertung im Registrierungsprozess, bei Audits, Beschwerdebearbeitung und Disziplinarverfahren.
2. Definitionen
2.1. Psychosozialer Berater (im Sinne des TDP) – eine beim TDP registrierte Person, die unterstützende, bildende und entwicklungsfördernde Aktivitäten im Rahmen ihrer Kompetenzen und des Gesetzes durchführt.
2.2. Klient – eine Person, die die Dienstleistungen eines TDP-Mitglieds nutzt (einzeln, als Familie, Gruppe oder innerhalb einer Organisation).
2.3. Psychosoziale Unterstützung – Aktivitäten, die sich auf die Verbesserung der Funktionsfähigkeit, des Wohlbefindens, der Bewältigungsfähigkeiten, der Beziehungen und Ressourcen konzentrieren, ohne in Bereiche einzudringen, die reglementierten Berufen vorbehalten sind.
2.4. Krisenintervention – kurzfristige Unterstützung in Situationen akuten Stresses/Krisen, fokussiert auf Sicherheit, Stabilisierung, Handlungsplanung und Zugang zu geeigneten Diensten.
2.5. Supervision – ein formaler Prozess der Unterstützung und Qualitätskontrolle der Praxis des Beraters, durchgeführt von einer qualifizierten Person oder in einem anerkannten Format (Einzel-, Gruppen- oder Peer-Supervision gemäß TDP-Regeln).
3. Grundprinzipien
Ein TDP-Mitglied lässt sich von folgenden Prinzipien leiten:
3.1. Respekt und Würde – behandelt den Klienten mit Respekt für dessen Rechte, Werte und Autonomie.
3.2. Sicherheit und Wohlergehen des Klienten – Priorität hat die Schadensbegrenzung und die Erhöhung der Sicherheit.
3.3. Ehrlichkeit und Transparenz – kommuniziert den Umfang der Unterstützung, Bedingungen der Zusammenarbeit, Gebühren, Vertraulichkeitsregeln und Kompetenzgrenzen.
3.4. Verantwortung – übernimmt Verantwortung für berufliche Entscheidungen, nutzt Supervision und Beratung.
3.5. Gerechtigkeit und Gleichheit – wirkt Diskriminierung entgegen, gewährleistet gleichen Zugang und Respekt.
3.6. Vertraulichkeit – schützt Klienteninformationen, offenbart diese nur im Einklang mit dem Gesetz und den Prinzipien des Kodex.
4. Arbeitsumfang und Dienstleistungskommunikation
4.1. Ein TDP-Mitglied beschreibt seine Dienstleistung als: psychosoziale Beratung, Psychoedukation, Entwicklungs-/Bildungsunterstützung, Krisenintervention, Kompetenztraining (z.B. Kommunikation, Emotionsregulation, soziale Kompetenz) – entsprechend den Kompetenzen.
4.2. Ein Mitglied vermeidet in der Marketingkommunikation und in Dokumenten Formulierungen, die irreführend sein könnten bezüglich des Besitzes von Berechtigungen für reglementierte Berufe (insbesondere: Titel, Lizenzen, staatliche Register), wenn es diese nicht besitzt.
4.3. Ein Mitglied verspricht keine Ergebnisse und bietet keine Wirksamkeitsgarantien.
4.4. Ein Mitglied verwendet eine für den Klienten verständliche und kulturell angemessene Sprache.
Praktische Regel für sichere Kommunikation:
- verwende: Unterstützung, Beratung, Psychoedukation, Handlungsplan, Kompetenztraining, Konsultation, Krisenintervention, Kompetenzcoaching
- vermeide: Formulierungen, die medizinische Behandlung, Diagnose, Therapie im klinischen Sinne suggerieren, es sei denn, dies ergibt sich aus separaten Berechtigungen und lokalen Vorschriften.
5. Klientensicherheit und Hochrisikosituationen
5.1. Ein Mitglied bewertet das Risiko proportional zur Situation (z.B. Lebensgefahr, Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung, schwere Krise).
5.2. In Situationen, die medizinische Intervention oder die Einbeziehung von Notdiensten erfordern – priorisiert das Mitglied die Überweisung an geeignete Institutionen und dokumentiert die ergriffenen Maßnahmen.
5.3. Ein Mitglied verfügt über grundlegendes Wissen bezüglich: Sicherheitsplanung, Krisenverfahren, Überweisungsregeln, Arbeit mit einer Person in hoher Erregung.
5.4. Ein Mitglied arbeitet nicht außerhalb seines Kompetenzbereichs; Konsultationen oder Überweisungen erfolgen bei Bedarf.
6. Vertraulichkeit und Datenschutz
6.1. Klienteninformationen sind vertraulich.
6.2. Die Offenlegung von Informationen erfordert die Zustimmung des Klienten, es sei denn das Gesetz verlangt oder erlaubt die Offenlegung (z.B. unmittelbare Gefahr für Leib/Leben, Meldepflichten).
6.3. Ein Mitglied minimiert den Umfang der offengelegten Daten auf das notwendige Minimum.
6.4. Ein Mitglied sichert Daten technisch und organisatorisch (Passwörter, Verschlüsselung, begrenzter Zugang, Backups, Aufbewahrungsrichtlinie).
6.5. Ein Mitglied informiert den Klienten über Vertraulichkeitsregeln und Ausnahmen vor Beginn der Zusammenarbeit.
7. Informierte Einwilligung und Zusammenarbeit
7.1. Ein Mitglied holt die informierte Einwilligung des Klienten für die Zusammenarbeit ein – schriftlich oder elektronisch, mit der Möglichkeit der Bestätigung.
7.2. Die Einwilligung umfasst: Ziel und Umfang der Unterstützung, Zeitrahmen, Vertraulichkeitsregeln, Gebühren, Stornierungsbedingungen, Kommunikationskanäle, Krisenverfahren und Datenrichtlinien.
7.3. Der Klient kann die Zusammenarbeit jederzeit beenden.
7.4. Bei Minderjährigen hält sich das Mitglied an die Regeln zur Einwilligung der Erziehungsberechtigten und die gesetzlichen Anforderungen der Gerichtsbarkeit.
8. Grenzen, professionelle Beziehungen und Missbrauchsprävention
8.1. Ein Mitglied pflegt eine professionelle Beziehung, die auf Vertrauen basiert, ohne Vorteile auszunutzen.
8.2. Ein Mitglied vermeidet Doppelbeziehungen (z.B. privat, geschäftlich) mit dem Klienten, die die Unparteilichkeit beeinträchtigen oder das Missbrauchsrisiko erhöhen könnten.
8.3. Inakzeptables Verhalten umfasst: Gewalt, Drohungen, Manipulation, sexuelle Beziehungen, Erpressung von Vorteilen, finanzieller Druck, Verletzung der Vertraulichkeit zum persönlichen Vorteil.
8.4. Ein Mitglied legt klare Regeln für den Kontakt außerhalb der Sitzungen fest (z.B. E-Mail, SMS, soziale Medien).
8.5. Geschenke und Zuwendungen: Die Annahme von Geschenken erfordert Vorsicht und Risikobewertung (bevorzugt: Ablehnung oder symbolische, transparente Regeln).
8.6. Ein Mitglied betreibt keine Marketingkommunikation in einer Weise, die die Grenzen der Beziehung verletzt (z.B. Druck auf Bewertungen ausüben, Veröffentlichung von Klientengeschichten, auch anonymisiert, ohne Zustimmung).
9. Kompetenz, Verantwortung und berufliche Entwicklung
9.1. Ein Mitglied arbeitet frei nur innerhalb seiner Kompetenz (Ausbildung, Praxis, Training, Supervision).
9.2. Ein Mitglied verbessert ständig seine Qualifikationen und aktualisiert sein Wissen.
9.3. Ein Mitglied sorgt für seine eigene Verfassung und die Sicherheit seiner Praxis (Arbeitshygiene, Burnout-Prävention, Nutzung von Konsultationen).
9.4. Ein Mitglied stellt sich nicht irreführend dar (Titel, Grade, Spezialisierungen).
10. Supervision
10.1. Supervision ist für alle praktizierenden Mitglieder obligatorisch.
10.2. Akzeptable Formen: Einzel-, Gruppen- (2–6), Peer-Supervision (für erfahrene Praktiker – gemäß TDP-Regeln).
10.3. Ein Mitglied führt eine Supervisionsdokumentation und stellt diese für TDP-Audits auf Anfrage zur Verfügung, im Rahmen der Vertraulichkeit und des Gesetzes.
10.4. Supervision darf die Vertraulichkeit des Klienten nicht verletzen – minimale Daten und Anonymisierung werden angewendet.
11. CPD – Kontinuierliche berufliche Weiterbildung
11.1. Ein Mitglied erfüllt die vom TDP definierten Mindestanforderungen an CPD (CPD-A und CPD-B).
11.2. Ein Mitglied führt ein Aktivitätsprotokoll und reicht die Dokumentation innerhalb der vom TDP geforderten Fristen ein.
11.3. Das Fälschen von CPD-Dokumentation ist ein schwerwiegender Verstoß gegen den Kodex.
12. Dokumentation und Datenspeicherung
12.1. Ein Mitglied führt die Dokumentation genau, proportional und minimal (so viel wie für Qualität und Sicherheit nötig).
12.2. Die Dokumentation darf keine demütigenden, stigmatisierenden oder unangemessenen Inhalte enthalten.
12.3. Daten werden sicher und in Übereinstimmung mit dem Gesetz (DSGVO/Äquivalente) gespeichert.
12.4. Der Klient hat das Recht auf Information über Dokumentation und Verarbeitungsregeln – in Übereinstimmung mit dem Gesetz.
13. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Überweisungen
13.1. Ein Mitglied arbeitet mit anderen Spezialisten zusammen, wobei Rollen, Kompetenzen und Vertraulichkeit respektiert werden.
13.2. Die Zustimmung des Klienten ist für den Kontakt mit anderen Personen/Institutionen erforderlich, es sei denn, es gelten gesetzliche Ausnahmen.
13.3. Ein Mitglied überweist den Klienten an geeignete Dienste, wenn die Bedürfnisse den Umfang der psychosozialen Unterstützung oder die Kompetenzen des Mitglieds übersteigen.
14. Ehrlichkeit, Werbung und Image
14.1. Informationen über Dienstleistungen müssen wahr, überprüfbar und nicht irreführend sein.
14.2. Ein Mitglied verwendet keine Titel und Begriffe, die reglementierte Erlaubnisse suggerieren, wenn es diese nicht besitzt.
14.3. Klientenstimmen: dürfen nur in Übereinstimmung mit dem Gesetz und den Prinzipien der Integrität und ohne Druck präsentiert werden.
14.4. TDP-Image: Ein Mitglied sorgt für den Ruf des Verbandes, vermeidet Verhaltensweisen, die das öffentliche Vertrauen verletzen.
15. Gleichheit, Inklusivität und Kultur
15.1. Ein Mitglied diskriminiert nicht aufgrund von: Herkunft, Nationalität, Geschlecht, Identität, Orientierung, Alter, Behinderung, sozialem Status, Religion, Überzeugungen.
15.2. Ein Mitglied berücksichtigt den kulturellen und sprachlichen Kontext und stellt die Zugänglichkeit der Unterstützung sicher.
16. Forschung, Publikationen und Bildung
16.1. Ein Mitglied führt Forschung und Publikationen effektiv durch, respektiert die Rechte der Teilnehmer und die Regeln der Zustimmung.
16.2. Daten von Forschungsteilnehmern werden geschützt und das Risiko wird minimiert.
16.3. Ein Mitglied vermeidet Plagiate, Datenfälschung und das Verbergen von Interessenkonflikten.
16.4. In Bildung und Ausbildung handelt ein Mitglied verantwortungsbewusst, unterscheidet klar Fakten von Meinungen und sorgt für die Sicherheit der Teilnehmer.
17. Interessenkonflikt
17.1. Ein Mitglied identifiziert und legt potenzielle Interessenkonflikte offen (z.B. familiäre, geschäftliche, Abhängigkeitsverhältnisse).
17.2. Im Falle eines Interessenkonflikts ergreift das Mitglied Maßnahmen zur Risikobegrenzung: Beratung, Wechsel des Anbieters, Überweisung.
18. Beschwerden, Verstöße und Disziplinarverfahren
18.1. Ein Mitglied ist verpflichtet, am Aufklärungsprozess bezüglich einer Beschwerde oder eines Audits mitzuwirken.
18.2. Meldung von Verstößen: offene oder anonyme Meldungen sind gemäß TDP-Verfahren möglich.
18.3. Die Ethikkommission führt Verfahren fair, unparteiisch und mit Respekt für die Parteien durch.
18.4. Sanktionen können umfassen: Korrekturempfehlungen, zusätzliche Supervision/Schulung, Verweis, Suspendierung, Entzug des Registerstatus und falls erforderlich – Weiterleitung an die zuständigen Behörden.
19. Registrierungsstandards (Zusammenfassung)
19.1. Ein Mitglied hält die aktuellen, vom TDP geforderten Dokumente bereit.
19.2. Zu den erforderlichen Standards gehören mindestens:
- Identitätsnachweis,
- Überprüfung des Strafregisters (gemäß Richtlinie),
- aktuelles Erste-Hilfe-Zertifikat (für Praktiker),
- Supervision,
- CPD,
- Einhaltung des Ethikkodex.
19.3. Der TDP kann Registeraudits durchführen und Ergänzungen verlangen.
20. Schlussbestimmungen
20.1. Der Kodex tritt am Tag der Veröffentlichung in Kraft und gilt für alle Mitglieder und Kandidaten im Registrierungsprozess.
20.2. Der TDP behält sich das Recht vor, den Kodex als Reaktion auf gesetzliche Änderungen, Industriestandards und Qualitätsanforderungen zu aktualisieren.
20.3. In Angelegenheiten, die nicht durch den Kodex geregelt sind, gelten die TDP-Vorschriften und die entsprechenden Gesetze.